Rezensionen

Alfred Schultz

„Wow!“, staunt der Alltagsmensch, also der Schreiber dieser Zeilen, „Wir führt!“. Da fängt das Gedankenkarussell sofort an, sich zu drehen: „Was für ein Wir? Etwa alle? Bin ich dabei? Wie soll das funktionieren? ...“ Bei der Lektüre des Buches kann ich entspannen. „Wir führt!“ ist ein Satz gegen ein Sich-Verkapseln und ein Satz für die Offenheit im Miteinander. „Wir führt“ richtet sich an Führungskräfte, um bei denen diese Offenheit zu stimulieren. Als Alltagsmensch kann ich täglich erleben, dass das „Wir führt!“ im politischen Bereich offensichtlich ein Feld mit viel Entwicklungspotenzial ist. Das Buch von Fourier zeigt, dass dennoch ein billiges Bashing gegenüber denen, die Führungsverantwortung ausüben, fehl am Platze ist. Die Denkprinzipien von Humanagement zeigen vielmehr, dass Führung eine hochkomplexe Herausfor- derung ist, die nicht einfach als Crash-Kurs konsumiert werden kann.

Wenn Führung so verstanden wird, dass sie in Unternehmen auf erfolgreiche Entwicklung fokussiert, dann können die Denkprinzipien von Humanagement interes- sant werden. Diese Denkprinzipien erfordern einen systemischen Blick, um die Bedingungen zu verstehen, die für das Wirken von Menschen hinsichtlich Führung wirksam sind. Im Buch wird das für mich beispielsweise deutlich durch das „Dominanzmodell“, das top-down von externen Bedingungen, internen Bedingungen, Regeln, Verhalten und Prozessen spricht. Das eigene Unternehmen systemisch zu verstehen, heißt aus dieser Perspektive, sich damit auseinanderzusetzen, dass die exter- nen Bedingungen der entscheidender Faktor für all das sind, was intern geschieht. Extern dominiert intern. Das wirklich differenziert anzueignen, braucht Geduld und Einsatz von Gehirnschmalz.

Aber, die systemische Denkweise wäre wenig hilfreich, wenn sie nicht auch die Prozesshaftigkeit aller Vorgänge im System Unternehmen und seiner Umgebung reflektieren würde. Ohne prozesshaftes Denken kann Entwicklung nicht in erfolgreicher Weise beeinflusst werden. Die Richtung, in die Entwicklung erfolgreich sein kann, ist im Blick auf den Prozess zu entdecken. Das heißt: Entwicklungsziele können weder aus der bekannten Routine abgeleitet noch beliebig gesetzt werden. Erfolgreiche Entwicklungsziele werden nicht von Einzelnen vorgegeben, sondern im Miteinander entdeckt. Die Denkprinzipien von Humanagement bieten sich für Fourier insbeson- dere in solchen, von ihm als heiß bezeichneten Umgebungen von Unternehmen an, die durch viele Unsicherheitsfaktoren geprägt sind. Als Alltagsmensch ziehe ich eine Parallele zur politischen Verantwortungsübernahme angesichts der Klimaveränderungen. M.E. zeigt sich in diesen Auseinandersetzungen deutlich, dass Politiker sich nicht auf eingespielte Routinen verlassen können. Dabei stehen Politiker, wie Mana- ger in Unternehmen auch, unter Erfolgsdruck. Die Humanagement Denkprinzipien können hilfreich sein, solche Situationen zu analysieren und zu verstehen. Ich denke: Könnte lohnend sein, sich ein wenig vom Alltagsdruck zu befreien, um mit Hilfe der Humanagement Denkprinzipien einen erweiterten Horizont zu gewinnen.

Außer dem systemischen und prozesshaften Denken möchte ich noch eine dritte wichtige Denkweise aus dem Buch von Fourier herausstellen. Es geht um den Gedanken, dass Veränderung nur aus der Fülle heraus gelingen kann. Was bedeutet ein Denken aus der Fülle? Mir stellt es sich so dar: Niemand wird einen Ort A verlassen, um nach B zu gehen, wenn B nicht eine bessere Alternative ist. Das ist unmittelbar einleuchtend. Wobei Veränderungen in unserem Alltag, in der Politik und auch in Unternehmen meistens erst dann für uns anstehen, wenn wir nicht mehr zwischen einem bestehenden A und nicht bestehendem B wählen können, sondern nur zwi- schen verschiedenen Bs. Wenn die B-Möglichkeiten nicht aus der Fülle heraus gedacht werden können, dann werden sie m.E. keine Chance haben. Wie kann Führung so gelingen, dass „Wir führt!“ aus der gemeinsamen Fülle von Möglichkeiten stattfindet?

Denken aus der Fülle der Möglichkeiten in systemischer und prozesshafter Ausrichtung ist aus der Perspektive von Fourier für Unternehmen in „heißer Umgebung“ besonders angesagt. Mir scheint: Nicht nur für Unternehmen. Denn: An „heißen Umgebungen“ mangelt es nicht. Wer in dieser Weise Lust auf eigenständiges Denken hat, der kann Fouriers Buch mit Gewinn lesen.