So viel zum Eigentum ...

Über dem Schreibtisch meines Großvaters hing ein Spruch in einem wackeligen Holzrahmen, an dem schon etwas die Farbe bröckelte. Immer wenn ich ihm eine Frage stellte, die sich mit dem tieferen Sinn der Welt befasste, wies er mit seinem Daumen auf diesen Spruch. Heute habe ich den Verdacht, dass er einfach keine Lust hatte, die tiefsinnigen Fragen eines Dreikäsehoch zu beantworten. Damals erschienen mir seine Daumengeste und der Spruch als die größte Weisheit. Der Spruch ging so:

Das Haus ist mein
und doch nicht mein.
Der nach mir kommt, kanns auch nur leih'n.
Und wirds dem Dritten übergeben,
der kanns nur haben für sein Leben.
Den Vierten trägt man auch hinaus.
Sagt, wem gehört denn nun das Haus.

Keine Ahnung, warum ich mich an diesen Spruch immer noch erinnere. Wahrscheinlich hat mein Großvater eben sehr oft mit dem Daumen auf ihn gezeigt. Möglicherweise erklärt das, warum ich bis heute nicht verstehe, dass viele Menschen Reichtümern nachjagen, dabei sogar Anstand und gute Sitten vergessen und ihrer Gesundheit schaden. Ist es das wert?

Kommentare

Großeltern und Lebenssprüche ... Ihre Geschichte hat mir gefallen. Auch wenn diese schlichten Weisheiten banal scheinen, sie haben uns halt doch geprägt. Und ich glaube, nicht einmal auf die schlechteste Weise. Ihr Blog macht jedenfalls diesen Eindruck ;-)
Ich erkenne mich in Ihrer Geschichte wieder. Auf meinem Blog finden Sie nämlich auch in der vorigen Woche eine Geschichte von einem Spruch, der bei meinen Großeltern hing ( von Mörike)

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