Changemanagement in der Krise ist zu spät

Machen wir ein Gedankenexperiment. Nehmen wir an, in den nächsten 10 Jahren steigt der Sauerstoffgehalt der Erdatmosphäre um 5 %. Bei dieser Konzentration wirkt unser Lebenselixier als tödliches Gift. Alles Leben würde dahin gerafft. Wirklich alles? Wir wissen es nicht genau, weil das Ganze glücklicherweise noch nicht ausprobiert wurde. Sicher würde aber nicht alles Leben erlöschen. Es würden genau die Arten und vielleicht auch einzelne Individuen unter den Menschen überleben, die diese Sauerstoffkonzentration vertragen könnten. Es würden genau diejenigen überleben, die bereits vorher - zufällig - diese Eigenschaft hätten. Denn für Anpassung bliebe in diesem Szenario keine Zeit.

Was schlussfolgern wir aus diesem Experiment? Genau, man muss bereits vor der Krise über die Eigenschaften verfügen, die man in der Krise braucht. Wenn die Krise kommt, bleibt nicht genügend Zeit zur Anpassung. Wir sehen heute viele Unternehmen, die genau dieses Defizit haben. Sie sind nicht vorbereitet. Sie versuchen jetzt, sich anzupassen. Für die meisten wird die Zeit nicht mehr ausreichen.

Anpassungsleistungen muss man also vorher erbringen. Ich nenne diese Leistungskategorie Performance 2. Ordnung. Was ich damit meine, beschreibe ich demnächst in einem SPOT.

In diesem Zusammenhang gibt es jedoch eine entscheidende Frage: Wie veranlasse ich Menschen, Unternehmen, Organisationen usw., sich vor der Zeit zu verändern? Was ist der Schlüssel zur Inszenierung solcher, oft tiefgreifender Veränderungsprozesse? Die Antwort bietet das Evolutionsmodell, welches ich in der Monografie "Wandel verstehen" beschrieben habe. Es ist die Grundlage vieler erfolgreicher Changemanagement-Projekte, die inszeniert wurden, bevor der Wandel kam.

Kommentare

Ich finde das Gedankenexperiment verlockend. Man kann sich an seinem eigenen Geschäftsmodell leicht ein Szenarium basteln, was bei veränderten Bedingungen passieren würde. Das Problem ist, das man nicht alle möglichen Risiken voraussehen kann und es jede Organisation überfordern würde für jeden Eventualfall eine Alternative bereit zu halten. Um beim Experiment zu bleiben: Was nützt es mich auf einen steigenden Sauerstoffgehalt einzustellen, wenn tatsächlich der CO2 Gehalt ansteigt. Falsche Planung, Pech gehabt. Ziel muss es sein, so flexibel zu sein, erkennbare Risiken zu sehen und Alternativeb zu finden.

Das stimmt. Man kann das, was kommt, nun einmal nicht voraussehen. Selbst die Hellseher und Propheten haben damit ihre Schwierigkeiten. Es kann also nur darum gehen, sich für ein breites Spektrum an möglichen Änderungen fit zu machen. Also sozusagen auf der Metaebene. Deshalb empfehle ich, z. B. die Frage nach den richtigen = ausreichend flexiblen Strukturen zu stellen. Oder Menschen auf jede mögliche Art von Veränderung, also auf Veränderung an sich, vorzubereiten. Da geht es dann um solche Eigenschaften wie Mut, Zukunftsgewissheit, Vertrauen und Offenheit.
Ein weites Feld!

Das Wort Krise löst eine allergische Reaktion bei mir aus. Ich versuche mich zwar an der Wikipedia Bedeutung entlang zu handeln - http://de.wikipedia.org/wiki/Krise - immer gelingt das mir nicht. Krise ist für mich was furchtbares. das hier ist eine Chance für den Wandel, zugegebener Maße mit etwas Druck...

Und Du hast es hier schön gesagt: Wer die Eigenschaften hat, die dann benötigt werden, wird überleben.
Nur welche Eigenschaften sind das? Kann man das vorhersagen?
Sind hier Wahrsager, Politiker, Erfinder, Ökonomen oder was sonst, gefragt?

Als Basis für die Betrachtungen möchte ich die Theorien des Herrn Kondratieff nennen und auch die Ausführungen von Erik Händeler gefallen mir gut. ->http://www.kondratieff.biz/.

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