Hochleistungsteams

In der vergangenen Woche habe ich beim Deutschen Orchesterleitertag Workshops zum Thema Teamentwicklung gehalten. Eigentlich wollte ich nie wieder etwas zu dem Thema machen, weil es ja schon tausendmal rauf und runter abgehandelt wurde und ich mir nicht vorstellen konnte, dass nicht tatsächlich jeder mit ausreichendem Wissen und Material dazu versorgt sein müsste. Aber ich hatte noch nie vor einem solchen Gremium gesprochen, Orchesterleiter, und das fand ich allemal spannend genug.

Ich hatte für die Workshops nur jeweils 90 Minuten Zeit. D.h. es konnten eigentlich keine richtigen Workshops sein, sondern lediglich Diskussionen rund um das Thema; eine weitere Schwierigkeit, wie ich fand, denn damit stand die Erlebenskomponente von vornherein nicht zur Verfügung.

Ich hatte mich zuvor mit einigen organisationswissenschaftlichen Veröffentlichungen, z.B. von Martin Tröndle, beschäftigt, in denen der hohe Anteil an Selbstorganisation im Orchesteralltag als wesentliche Grundlage dafür herausgearbeitet wurde, dass Orchester Höchstleistungen bringen, und zwar täglich, auf die Zehntelsekunde exakt und unter wechselnden Umfeldbedingungen. Hochinteressant.

Für den Workshop selbst blieb mir nun, vor allem wegen der Kürze der Zeit, nur eine extreme Zuspitzung des Themas auf wenige Punkte übrig. Wenige Punkte, weil in 90 Minuten nicht viel Stoff passt, wenn etwas hängenbleiben soll. Und Zuspitzung, um wenigstens mittels Provokation Eindruck zu erzeugen, der dann in der Diskussion bei den Orchesterleitern vielleich tzu produktiven Ideen für den eigenen Alltag führen sollte.

Ich beschränkte mich also auf folgende Thesen:

  1. Das Wichtigste, was man zur Teambildung braucht, ist ein Problem. Gemeint ist damit eine Herausforderung, für deren Bewältigung man ein Hochleistungsteam braucht.
  2. Als nächstes benötigt man Menschen als Teammitglieder. Man bekommt natürlich nicht die kompetenten, teamfähigen und 1a-Mitarbeiter dafür, die man sich wünscht, sondern man muss nehmen, was da ist.
  3. Man muss im nächsten Schritt fühlbar machen, dass die Menschen zusammengehören. Das geht am besten über das Erleben gemeinsamen Leids. (Spätestens bei dieser These schieden sich die Geister, wie wunderbar!)
  4. Wichtiger als ein guter Plan ist der Erste Schritt. Den muss der Teamchef konsequent herbeiführen, sonst bleibt es beim Reden.

Wenn diese Punkte beachtet werden, dann läuft Teambildung völlig normal ab, wie oft beschrieben. Vor einiger Zeit habe ich dazu ein White Paper verfasst, in dem sich alles nachlesen lässt.

Mit diesem "Workshop-Konzept" ließen sich die Teilnehmer tatsächlich fesseln. Die Feedbacks waren sehr positiv bis schmeichelhaft. Sicher hat dazu auch beigetragen, dass ich aus meinem Buch Der Eisbär und der Pinguin - Gemeinsam sind wir stark einige Passagen vorgelesen habe. Ein bisschen Gefühl und Assoziationsmöglichkeit kam damit dann doch noch in die Workshops.

 

 

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