Meinhard Miegel mit einem tollen Buch: Exit, Wohlstand ohne Wachstum

Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Nicht, dass darin etwas Brandneues stehen würde. Aber die kurze und fundierte Gesamtdarstellung dessen, wo die Gesellschft, ja die ganze Menschheit, heute steht und wie sie dahin kam, ist absolut beeindruckend. Miegel analysiert und zieht Bilanz über alle wichtigen Bereiche, von Umwelt über Nahrung, Rohstoffe und Energie bis zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen von Bevölkerungswachstum, Alterspyramide, Migration und der grassierender Überforderung der Massen und der Eliten.

Er kommt zu dem nüchternen und ernüchternden Schluss, dass es auf all diesen Gebieten nicht mehr weitergeht. Die Umwelt ist nachhaltig zerstört, Rohstoffe gehen zu Ende, ein riesiges Energiedefizit kommt unaufhaltsam auf uns zu und die Gesellschaften fliegen auseinander.

Fazit:  Der point of no return wurde verpasst.

Als Ursache des ganzen Dilemmas macht Miegel sehr nachvollziehbar die Ideologie des Wachstums aus. Er geht hart mit den Politikern ins Gericht, die alle auch nach der jüngsten Krise, die ebenfalls durch Wachstumsgier verursacht wurde, immer wieder nur Wachstum fordern. Wenn ich all die Fakten in Miegels Buch lese, meine eigenen Beobachtungen dazulege, wird mir die Hirnrissigkeit dieses Wachstumsgeschreis deutlich: Man will die desaströsen Folgen des Wachstums mit noch mehr Wachstum bekämpfen. Dabei kann es in Wirklichkeit kein Wachstum mehr geben, weil die Grundlagen dafür schlicht erschöpft sind. Außerdem ist das Wachstum seit den 1970er Jahren eh nur noch kreditfinanziert. All das belegt Miegel eindrucksvoll und nachvollziehbar mit Fakten, wie es sich für einen Professor gehört.

Bleibt am Ende die Frage, was man tun kann. Hier bleibt Miegel bei Appellen, die zwar alle richtig sind. Also Wohlstand anders definieren als nur materiell, das Thema Alter neu definieren, Migration als Chance gestalten, den Sozialstaat umbauen usw. Da er aber nicht beschreibt, wie man all diese Veränderungen, die ja mit Denken, Haltungen, Werten und Bwusstsein zu tun haben, auslösen und vorantreiben kann, bleibt am Ende nur ein ziemlich unangenehmes Szenario:

Der erforderliche Bewusstseinswandel wird erst durch die Macht des Faktischen erzwungen werden!

Das allerdings wird sehr schmerzhaft. Erst die noch folgenden Krisen, die schneller als bisher kommen und viel tiefer einschneiden werden, können uns Menschen zur Umkehr zwingen.

Sollte das wirklich die einzige Möglichkeit sein? Gibt es nicht andere Wege? Meinhard Miegel sind leider keine eingefallen. Trotzdem, ein tolles Buch.

 

Kommentare

Über die Folgen, die Miegel beschreibt, müssen wir uns alle Gedanken machen - ausnahmslos!

Denn die Folgen betreffen jeden und mir scheint, dass wir eine Diskussion über unsere Beiträge zum Umgang mit diesen Themen anfachen müssen. Wir sollten alsbald Ideen haben und Massnahmen umsetzen, wie wir - jeder für sich - jeden Tag etwas dafür tun können, um die Sprachlosigkeit auch von Herrn Miegel zu überwinden.

Passiver Bürger-Ungehorsam wäre ein Basis:
Kündigung von Konten bei den Banken, die sich nicht entsprechend unseren - den Vorstellungen der Menschen (und Kunden) verhalten, Parteiveranstaltungen mit unseren Fragen bombadieren und Politiker abwählen, Produkte nicht kaufen, die sich nicht nachhaltig verhalten, Proteste organisieren, Organisationen unterstützen, Wasser früher abschalten, Häuser zu kleinen Stromkraftwerken entwickeln (dezentrale Stromgewinnung), Stadträte aufsuchen und konfrontieren ....

Was gäbe es alles zu machen?
Die Gesellschaft wachrütteln - auch wenn's unmöglich erscheint.

Gute Vorschläge. Gibt es ein Forum, wo sich diejenigen treffen und austauschen können, die in ähnliche Richtung denken?

Leider ist mir eine solche Seite nicht bekannt.

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