Kampf den Managoiden! (Eine Glosse mit Wahrheitsgehalt)

Kennen Sie den Unterschied zwischen Managern und Managoiden? Die Einen sind diejenigen, die etwas machen, die Probleme lösen, Entscheidungen treffen, ihre Mitarbeiter motivieren und unter-stützen und Verantwortung übernehmen. Die Anderen, die Manager-ähnlichen, erklären die Prob-leme und reden in endlosen Meetings darüber. Sie verschieben Entscheidungen, entweder auf später oder – noch besser – an einen Manager oder an einen anderen Managoiden. Sie verstecken sich hinter ihren Mitarbeitern und nutzen sie aus. Und Verantwortung tragen immer „die Anderen“, meist die Vorgesetzten.

Die Managoiden sind die perfekten Verwalter von Nichts. Sie erstellen Berichte mit inhaltsleeren Zahlen oder geben sie mit überflüssigen Kommentaren weiter. Sie spielen immer auf Zeit, schieben alle Vorgänge weiter, am liebsten im Kreis. Sie achten peinlichst darauf, dass sie niemals in einen Schuldverdacht geraten, wenn etwas schief geht. Bei ihnen geht Deckung vor Schussfeld, wenn man es militärisch ausdrücken würde.

Die Managoiden sind ständig in Bewegung, täuschen Eifer und Beschäftigung vor. Sie gehen sogar so weit, dass sie anderen, meist den wirklichen Managern, Zuarbeiten für ihre sinnlosen Tätigkeiten abverlangen und diese so von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten. Es ist also noch schlimmer, als wenn sie gar nichts tun würden. Sie vermehren mit Eifer den Anteil an sinnloser Arbeit im Unternehmen und belasten diejenigen mit diesem Müll, die Leistung bringen. Und das nur, um ihrem eigenen sinnlosen Dasein einen Pseudosinn zu geben.

Kennen Sie solche Leute? Leiden Sie unter ihnen? Ärgern Sie sich über sie? Dann müssen Sie sie bekämpfen, wo immer Sie sie treffen. Ich weiß, das ist nicht so ganz einfach. Trotzdem müssen Sie es versuchen und dürfen in diesem Kampf niemals nachlassen. Das Problem ist nämlich, dass die Managoiden immer mehr werden. Genau genommen, handelt es sich bei dem Phänomen um eine Krankheit, eine ansteckende zumal. Wenn nämlich jemand jung in eine Firma eintritt, nach dem Studium zum Beispiel, dann ist er noch kein Managoid. Er ist auch noch kein Manager, aber im-merhin auf dem Wege dahin. Er gibt sich – jedenfalls meist – Mühe, einer zu werden. Und dann kommt das schlechte Beispiel der Managoiden, die schon im Unternehmen drin sind. Nicht nur das, sie werfen ihm die kleinen Knüppel zwischen die Beine, lassen ihn auflaufen, führen ihn vor. Und so nach und nach gleicht er sich an. Er wird wie sie, er wird ein Jung-Managoid.

Meist kommen die Betreffenden in dieser Phase in verschiedene High-Potential-Entwicklungsprogramme. Und dort bekommen sie oft den letzten Schliff, als Managoid. Sie lernen die Begriffe des Managements und sie so zu benutzen, dass der Eindruck hoher Professionalität entsteht. Sie machen sich mit diversen Methoden und Techniken bekannt, die sie für gutes Mana-gement einsetzen könnten, lernen gleichzeitig aber auch, diese managoid zu gebrauchen. Und dann entscheidet es sich irgendwann: Werden sie ein Manager oder ein Managoid. Wenn das Pendel einmal in Richtung Managoid gegangen ist, dann kommt es fast niemals mehr zurück. Der Mensch ist für das Management verloren, auch wenn er sich noch so nennt und als solcher bezahlt wird. In Wirklichkeit ist er ein Managoid und bleibt es.

Wenn Sie also etwas gegen die Managoiden tun wollen, ist es am Wirkungsvollsten, ihre Entste-hung zu unterbinden. Stellen Sie sich als Mentor zur Verfügung, nehmen Sie die jungen Leute unter Ihre Fittiche, damit sie nicht den Managoiden verfallen.

Finden Sie das alles übertrieben? Mag sein, dass es für Ihr Umfeld so nicht zutrifft. Aber denken Sie einmal darüber nach woran es liegen mag, dass für Sie selbst die Arbeitsdichte immer höher wird, dass Sie immer mehr Dinge erledigen müssen, die gar nichts mit Ihrer eigentlichen Aufgabe zu tun haben, dass Belastung und Frustration steigen. Vielleicht entdecken Sie ja dann plötzlich um sich herum doch ein paar Managoiden. Und dann machen Sie ihnen bitte den Garaus!