Bildung prägt Denken

Denken, das ist doch genau die Fähigkeit, die uns Menschen so besonders macht, zur Krone der Schöpfung, als die wir uns so gerne fühlen. Alles was uns ausmacht und von der restlichen Welt abhebt, ist letztlich Resultat menschlichen Denkens. Erst das Denken hat uns in die Lage versetzt, uns über alle anderen Spezies zu erheben und die Welt nach unseren Vorstellungen zu verändern, Fortschritt zu organisieren. Wenn das für so wunderbare Dinge wie warme Kleidung und Schuhe, Mode, Internet und Fernsehen gilt, dann gilt es selbstverständlich auch für die Dinge, die uns nicht so gefallen. Die Finanz- und Eurokrise zum Beispiel. Sie ist – wie eben auch die anderen negativen Erscheinungen in der Welt – letztlich auch Resultat menschlichen Denkens.

Ich meine das nicht in dem Sinne, dass wir uns diese Krisen herbei denken. Es liegt tiefer. Irgendetwas scheint an unserem Denken dran zu sein, dass es eben nicht nur zu den positiven Resultaten führt, die uns das Leben angenehm und lebenswert machen, sondern eben auch zu Krisen, Kriegen, zu Terrorismus, zu Überbevölkerung, nicht bewältigten Hungersnöten, zu Klimaveränderungen und Atomunfällen. All das muss letztlich mit unserem Denken zu tun haben. Wir denken immer, bevor wir handeln. Manchmal geschieht das zwar eher mechanisch als bewusst, manchmal auch nicht auf einem besonders hohen Niveau. Aber es gibt immer einen Gedanken vor der Tat. Und wenn die Resultate unseres Handelns schlecht sind, dann hat der Gedanke dafür die Ursache gesetzt.
Was aber ist so typisch menschlich, dass es unser Denken entscheidend prägt, so dass eben auch die negativen Sachen herauskommen? Es muss eine wirklich starke Kraft sein, da wir diesen Negativanteil des Denkens offensichtlich nicht vermeiden können. Wir stehen unter einem Einfluss, der uns immer wieder Dinge denken und tun lässt, die in Richtung Katastrophe führen. Dieser dominierende Einfluss ist unser Egoismus. Er führt dazu, dass wir stets nur an unseren eigenen Vorteil denken und dabei das Größere aus den Augen verlieren. Menschliches Denken ist beschränkt, nämlich immer nur auf das unmittelbar im Moment wahrgenommene Bezugssystem. Denken wir an Familie, dann blenden wir den Staat aus. Denken wir an Staat, dann sind uns die anderen Staaten egal. Denken wir an Europa, dann ist uns die Welt schnuppe. Denken wir an die Firma, kommt uns das Wohl der Lieferanten und letztlich auch der Kunden weniger in den Sinn. Wir haben eine egoistische Sicht, um uns selbst und das jeweilige Bezugssystem zu sichern.

Nun hat das natürlich seine Berechtigung, schließlich ging und geht es ja irgendwie immer um das eigene Überleben. In den Alltagssituationen ist das zwar nicht ganz so drastisch, wie es hier klingt, aber irgendwie treibt es uns doch permanent an. Und deshalb entwickelt der Mensch nun mal die typische Rücksichtslosigkeit, die ihn die Folgen seines Denkens und Handelns über den eigenen begrenzten Kreis hinaus nicht bedenken lässt. Streng genommen, können wir dafür noch nicht einmal etwas. Wir sind schlicht so gebaut. Ich will mich dabei nicht mit der Frage beschäftigen, ob das genetisch verursacht ist oder angelernt. Es ist am Ende egal, wir sind Egoisten.
Das gibt natürlich wenig Perspektive, für den Euro, für die Umwelt, für die Menschheit als Ganzes. Wir können vom Egoismus nicht weg, gleichzeitig ist er quasi der Spaten, mit dem wir uns das eigene Grab schaufeln. Global galaktisch gesehen. Wenn da nicht vor einigen Jahren ein schlauer Mann den egoistischen Altruismus entdeckt hätte. Der Mann heißt MATURANA, und er sagt ganz einfach, dass es möglich sein kann, dass Menschen irgendwann kapieren, dass sie nur sicher sind, wenn der größere Zusammenhang, in dem sie sich befinden, also Staat, Europa, die ganze Welt, sicher ist. Allerdings, und an der Stelle wird es schwierig und da hat auch Maturana keine Lösung, es reicht nicht, wenn wir das intellektuell verstehen. Das wäre noch die leichteste Übung. Nein, wir müssen das wirklich fühlen. FÜHLEN!

Und da sind wir bei der großen Frage, wie trainiert man solch ein Fühlen. In unseren Bildungssystemen kommt das zu kurz. Da wird Wissen vermittelt, Fühlen degeneriert regelrecht. Es gibt keine Schule, in der dieser Teil unseres Bewusstseins ausgebildet wird. Hier steckt eine wirklich große Aufgabe, die man übrigens nicht allein den Lehrern überlassen kann. Wie bringen wir uns Menschen dazu, mitfühlend, herzlich, fördernd zu sein, auf das Wohl der anderen zu achten, das Wohl der Gemeinschaft höher zu werten, weil es die Grundlage des eigenen Wohls ist? Also erst die Frage zu beantworten, was ich für das „große Ganze“ tue, weil sich dann nämlich die Antwort für mein eigenes Wohl von selbst ergibt. Vorausgesetzt, es würden alle so denken. Oder zumindest der überwiegende Teil der Menschen. Womit wir wieder beim Bildungsthema wären. Bildung ist wirklich das wichtigste. Allerdings eben eine umfassende Bildung, die das Fühlen mit einschließt, die menschliche Haltungen entwickelt und Egoismus überwindet.

Denken Sie mal über das Denken nach …

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