Industrie 4.0 – eins der neuen Zauberworte

Auf der Hannover Messe 2014 stand das Thema im Mittelpunkt und ich habe diese Gelegenheit genutzt, meinen Überblick über das Gebiet zu aktualisieren. Wegen des großen allgemeinen Interesses an Industrie 4.0 möchte ich meine Leser auf drei wichtige Punkte hinweisen und ansonsten empfehlen, sich informiert zu halten, z.B. über http://www.mittelstand-digital.de/, http://www.bitkom.org/de/themen/35981.aspx und http://www.plattform-i40.de/

Erstens:

Industrie 4.0 ist nur ein kleiner Teil dessen, was gerade passiert. Eigentlich geht es um etwas weit Größeres, nämlich um die Verschmelzung (Konvergenz ist vielleicht der bessere Ausdruck) der Informationstechnologie – und damit ist alles gemeint, vom Chip über den PC, die vielen Apps, Smartphones bis hin zur Cloud – mit dem „Rest der Welt“. Für alle sichtbar begann es vor einigen Jahren mit den Medien, wodurch dank Apple die Musiklandschaft völlig umgekrempelt wurde. Heute sind die Buch- und Zeitschriftenverlage unter Druck und morgen werden die Fernsehanstalten zu dramatischen Änderungen gezwungen sein. Auch im Handel, beim Reisen und im Bankgewerbe ist IT schon weit vorgedrungen, verändert Verbraucherverhalten und wirbelt die Branchen durcheinander. Und die gleiche Verschmelzung läuft gerade im Bereich der Produktion an. Fazit: Das Informationszeitalter ist in vollem Gange und beginnt gerade, die Industrie tiefgreifend zu verändern – ein normaler, wenn auch dramatischer und unausweichlicher Vorgang.

Zweitens:

Die Veränderungen, sprich: die Möglichkeiten, sind enorm! Da will ich gar nicht von den Anlagenbauern reden, die mit immer neuen technischen Lösungen die Verschmelzung von Software und Technik treiben. Faszinierend finde ich die Tatsache, dass die Produktionssteuerung vollkommen verändert wird. Heute wird die Produktions- und Auftragsabfolge weitgehend zentral unter Nutzung hochintegrierter Programme vorgegeben. Auf modernen Fertigungsbändern der Automobilindustrie ist damit auch heute schon die Montage unterschiedlicher Autotypen in unmittelbarer Abfolge möglich, aber eben zentral gesteuert. Zukünftig wird die Produktionssteuerung dezentral erfolgen, sozusagen von den zu montierenden Teilen selbst. Möglich wird das durch RFID-Transponder, die im richtigen Zeitpunkt die für das jeweilige Teil relevanten Bereiche der Montageanlage aktivieren. Traditionelle Fertigungssteuerung mit täglichen Planmodifizierungen wird dann nicht mehr nötig sein. Der Mensch wird also sogar von der unmittelbaren Produktionssteuerung befreit werden! Die spannende Frage wird sein: Was macht er dann?

Drittens:

Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) sind derzeit überwiegend überhaupt noch nicht auf den Ansturm der neuen Lösungen vorbereitet, die in den Software-Schmieden und bei den Anlagenbauern gerade entstehen. Das größte aktuelle Problem ist – wie u.a. eine breit angelegte Studie der TU Chemnitz zeigt – das Nichtvorhandensein der für solche Systeme erforderlichen Primärdaten. Beispielsweise sind in den meisten KMUs die Stammdaten der Produktion weder vollständig, noch ausreichend zuverlässig aktualisiert. Auf solch lückenhaftem Untergrund kann man keine „Cyber Based Systems“ aufbauen. Das reicht vielfach noch nicht einmal für eine ordentliche Produktionssteuerung traditioneller Machart. Hier gibt es also viel zu tun, ein Eldorado für Prozessanalytiker und Softwarehäuser.

 

Für Humanagement ergeben sich daraus viele Möglichkeiten für die zukünftige Arbeit. Wir können die Prozesse der Einführung von Industrie 4.0 in den Unternehmen wirkungsvoll begleiten. Es geht dabei um das Finden neuer Lösungsansätze, um innovatives Denken und eine offene, zukunftsgerichtete Unternehmenskultur. Wir als bewährter Partner für Wandel und Innovation sind darin geübt, solcherart produktiven Change zu vollziehen. Unsere langjährigen Erfahrungen und Kompetenzen bei der Umsetzung komplexer Projekte gemeinsam mit den Menschen in Unternehmen tragen maßgeblich zum Erfolg. Es gibt hier viel zu tun und ich bin Heinrich Nottbohm vom VW Motorenwerk Sachsen in Chemnitz dankbar, dass er mich frühzeitig auf dieses neue Arbeitsfeld aufmerksam gemacht hat.

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