Komplexität - ein unerschöpfliches Thema

In den zurückliegenden  Jahren habe ich mich eigentlich immer nur mit einem Thema beschäftigt, wenn auch in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Mit Komplexität.

Dabei habe ich ein paar Dinge gelernt:

  • Man kann Komplexität nicht genau definieren, eben weil sie komplex ist. Man erwischt auch mit den raffiniertesten Beschreibungen immer nur einen Teil des Phänomens.
  • Menschen haben kein Sinnesorgan, um Komplexität zu erfassen. Wir bemerken immer nur Symptome und Auswirkungen. Aber an des Pudels Kern kommen wir nicht heran.
  • Wir müssen mit Komplexität leben, denn sie lässt sich nicht reduzieren. Wie sollte das auch gehen, denn Komplexität ist eine Eigenschaft unserer Welt. Und allein der Gedanke, die Welt zu reduzieren, ist ziemlich abwegig. In der Praxis, zumal der Unternehmenspraxis wird oft versucht, mit einfachen Bildern und verkürzten Wahrnehmungen der Welt zu operieren. In dem Glauben, dadurch die Komplexität zu reduzieren. Das ist falsch und gefährlich, denn der einzige Effekt dabei ist, dass vieles übersehen wird. Und plötzlich ist der Börsencrash da, oder die Flüchtlingswelle, oder das neue Produkt des Wettbewerbers …
  • Komplexität heißt, dass ständig Dinge passieren, die eigentlich nicht passieren können. Sie passieren aber, trotz all unserer Prognosen, Vorkehrungen, Pläne und Strategien.
  • Wir können mit Komplexität leben, weil ihre Auswirkungen nicht nur negativ sind. Die Wirkung zufälliger Ereignisse unterliegt ebenfalls der Statistik und es treten stets positive und negative Entwicklungen auf, gleichzeitig. Wir können also immer unsere Chancen suchen – eine Frage der Einstellung zur Komplexität.
  • Komplexität kann man nicht beherrschen. Dafür geht einfach zu viel schief. Aber man kann sie meistern, weil dieser Begriff auch gelegentliches Scheitern und den Umgang damit impliziert.
  • Komplexität meistern kann man nicht allein. Der Einzelne steht ihr letztlich ziemlich hilflos gegenüber. Aber gemeinsam mit anderen steigen unsere Chancen. Das ist der Weg, den Unternehmen, Führungskräfte und alle Menschen in verantwortlichen Positionen gehen müssen: Gemeinsam die Potenziale der sozialen Systeme nutzen. Davon handelt mein neues Buch schlau statt perfekt.

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